Antwort auf „Die Türsteher vom Club Kultur“

Marcel-Andre Casasola Merkle schreibt in seinem Blog über das Urheberrecht und die mögliche Neugestaltung. Für mein Empfinden argumentiert er etwas wirr, aber bitte lest selbst. Meinen Kommentar dazu findet ihr ziemlich weit unten oder hier:

“Doch in Deutschland zählen nur zwei Sorten von Kultur: die traditionelle Hochkultur und die kommerziell Erfolgreiche. Subventioniert wird, was bereits anerkannt ist. Opern und Theater, der öffentliche Rundfunk mit der GEZ, Bücher haben die Buchpreisbindung und einen vergünstigten Mehrwertsteuersatz. Filmförderung ist Prestige- und Wirtschaftsförderung. Was kommerziell erfolgreich war, soll weiter kommerziell erfolgreich sein: Abmahnungen, Leistungsschutzrecht für Presseverlage, Überwachung der Nutzer.

Hier wird eine ganze Menge durcheinander geschmissen, und das meiste davon ist so auch nicht richtig. Das Ziel der Buchpreisbindung ist es eben grade, dass auch Bücher von unbekannten Autoren die gleichen Verkaufschancen haben wie die etablierter Schriftsteller. Das Buch wird explizit als Kulturgut angesehen und soll durch die Preisbindung vor den üblichen Marktmechanismen geschützt werden. Und damit sich auch einkommensschwache Leser Bücher leisten können, gilt für Literatur der niedrigere MwSt-Satz.

Ähnliche Ziele hat auch die Filmförderung. Es geht (zumindest offiziell) ja nicht nur darum, erfolgreiche Filme nachträglich zu fördern, sondern vor allem darum, unbekannten und anspruchsvollen Filmen den Weg ins Kino zu ermöglichen. Dass die meisten Kinobesucher von 90% der geförderten Filme noch nie was gehört haben oder hören werden, ändert nichts an der Zielsetzung.

Subventioniert wird nicht nur das was bereits anerkannt ist, sondern beispielsweise auch das, was ohne GEZ in Deutschland nicht möglich wäre, nämlich unabhängiges Qualitätsradio (vom Fernsehen will ich hier lieber schweigen). Sender wie Deutschland Funk mit ihren zahlreichen Nischenprogrammen gäbe es dann schlicht nicht mehr. Mir ist das aber wichtig!

Kulturförderung ist im übrigen Sache der Bundesländer, bzw. der Gemeinden und Kommunen. Das hat den Vorteil, dass auch subkulturelle Einrichtungen Förderungen relativ direkt beantragen können und in der Regel ja auch gefördert werden. In Zeiten leerer Gemeindekassen sieht die Lage natürlich anders aus: Gekürzt wird zuerst da, wo es vermeintlich nicht so viel ausmacht, eben bei der Kultur – und das betrifft die Hoch- und die Subkultur.

Was ist mit Strukturen und Rechtsunsicherheiten, die Kultur verhindern? Weil sich Rechte nicht klären lassen, weil die Gefahr zu groß ist, abgemahnt zu werden, weil Verwerterdominanz alternative Formen ausbremst, weil es Knebelverträge gibt, die den Urhebern selbst verbieten, ihre eigenen Werke zu nutzen oder neue, aber „konkurrierende“ Werke zu schaffen?

Ich finde es in der aktuellen Diskussion um das Urheberrecht immer wieder erstaunlich, wie die Befürworter einer Liberalisierung ständig darauf hinweisen, was sich durch das Internet alles geändert habe, dieselben Leute aber, wenn’s argumentativ in den Kram passt, vergessen, was das Internet so alles kann. Rechte lassen sich nicht klären? Echt? Bei Google nix unter den ersten drei Ergebnissen gefunden? Ehrlich, es gibt ja wohl mittlerweile so gut wie keine Info mehr, die du nicht übers Netz kriegen kannst. Und noch ein ganz heißer Tipp: Hin und wieder könnte ganz sinnvoll sein, mit Leuten einfach mal Kontakt aufzunehmen und zu fragen, beispielsweise, ob du einen Remix machen oder ein fremdes Foto auf deiner HP veröffentlichen darfst.

Ich finde es im übrigen völlig ok, dass ein Urheber darüber entscheidet, wer was mit seinem Kunstwerk anstellen darf. Viele Künstler möchten es z.B. überhaupt nicht, dass ihre Songs für Werbung benutzt oder von irgendwelchen Parteien als Hymnen mißbraucht werden.

Zum Thema Rechtsunsicherheit: Ich bezweifle sehr, dass es jemals so was wie eine Rechtssicherheit geben wird. Wie soll das denn funktionieren? Soll man die Gesetzestexte noch schwurbeliger formulieren, damit ja alle Unwägbarkeiten berücksichtigt werden?

Verwerterdominanz: Du weist doch selber in deinem Beitrag darauf hin, dass es mittlerweile schon diverse erfolgreiche Alternativmodelle gibt, um einen Artefakt zu veröffentlichen. Dann mach das doch auch so! Wo ist denn das Problem? Du willst die Verwerter nicht? Hey, niemand zwingt dich! Aber lass doch bitte die anderen auch selber entscheiden, ob und wie sie für ihre Kunst bezahlt werden wollen.“

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